Über

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Auf dieser Seite finden Sie eine Art Bautagebuch unseres Fachwerkhauses, welches 1816 in der herrlichen, von 1800 Sonnenstunden im Jahr verwöhnten Südpfalz, in Insheim bei Landau erbaut worden ist.

Die Inschrift an der Giebelseite des Hauses lautet:
“Dieses Hauß ist mit der Hilff Gottes erbaut worden von Peter Fischer und von Anna Maria geb. Schlosser seiner Ehefrau 1816″

Im Laufe der Zeit wechselten die Besitzer des Öfteren. Wie bei so vielen Fachwerkhäusern hinterließen die sogenannten Renovierungen mit modernen Baustoffen der letzten 40-50 Jahre, wie Zement, Ytong, Bims (Leichtbetonsteine), Rigips, Styrodur und allerlei Dicht- und Spachtelmassen erhebliche Bauschäden an der Bausubstanz Holz.

Im April 2006 erstanden wir das Haus und wollten eigentlich nur die Gefache streichen und dann sofort einziehen, da es ja von außen sehr gut in Schuss zu sein schien. Als wir dann aber immer tieferen Einblick durch eigentlich kleinere Reparaturen in den Zustand des Hauses bekommen haben, wurde uns allmählich klar, dass hier Grundlegendes geschehen muss.

Aber wie die Sache angehen? Woher altes Holz bekommen? Und das alles würde doch das sowieso  schon strapazierte Budget sprengen. Glücklicherweise gab und gibt es eine Menge Literatur zum Thema Fachwerksanierung mit ökologischen und althergebrachten, aber deswegen nicht minder modernen Baustoffen wie Lehm, Kalk, Hanf und Kork etc.. Darüber hinaus gibt es in der Familie einen Onkel als Steinmetzmeister, die Tante ist Steinmetzin, der andere Onkel Stukkateur, der Vater Fliesenleger und selbst hat man auch nicht immer zwei linke Hände. Zu guter letzt half auch noch der ein oder andere glückliche Zufall.

Also gingen wir getreu des Mottos vom alten Turnvater Jahn ans Werk. Nämlich frisch, fromm, fröhlich und frei. Meistens zumindest. Von den einen belächelt, von anderen wiederum bewundert. Wir sind nun seit Juni 2007 am Haus zugange und mit Sicherheit wird noch einmal eine geraume Zeit vergehen, bis unser Haus wieder in altem Glanz erstrahlt und wir es bewohnen können. Folgendes Zitat bestärkt uns aber darin, dass sich die Arbeit lohnen wird.

“Wir müssen uns Zeit nehmen, wenn wir Gutes erreichen wollen, Gutes und Gedeihliches für die Seele. Die Zeit, die wir auf eine Sache verwenden, ist der Maßstab unserer Liebe zu ihr.”
Hugo Kükelhaus

Viel Vergnügen in diesem Blog.

D. Pfirrmann im Januar 2009

Exkurs: Fachwerkhäuser in Insheim

Neben unserer Liebe zu alten Bauwerken, insbesonere Fachwerkhäusern, gibt es auch noch einen anderen Grund, warum wir uns dazu entschlossen haben, ein Fachwerkhaus grundlegend, wir wir es jetzt tun, zu restaurieren.

Insheim ist schon seit dem ausgehenden Mittelalter ein Dorf der Handwerker, dominiert von Maurern und Zimmerleuten. Weinbau wurde erst später in großem Umfang betrieben. Im Vergleich zu umliegenden Dörfern wie Herxheim, Rohrbach, Steinweiler, um nur einige zu nennen, existieren in Insheim vergleichsweise nur noch sehr wenige Fachwerkbauten (nach meinen eigenen Recherchen dürften es 2010 noch ca. 15 sein).

Wahrscheinlich fielen die meisten den Brandschatzungen des 30-jährigen Krieges zum Opfer, welcher die Südpfalz, als Grenzgebiet zu Frankreich in besonderem Maße heimsuchte.

Doch auch nach 1648 waren Fachwerkhäuser immer noch Standardbauten und wurden in dieser Zeit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch in Insheim rund um den “Großen Platz” wieder errichtet.

Aber auch in neuerer Zeit ging man in Insheim nicht sehr schonend und respektvoll mit alter Bausubstanz um. So wurden im 20. Jahrhundert sehr viele Fachwerkbauten zugunsten von neuen Steinhäusern abgerissen.

Ein konkretes Beispiel aus noch jüngerer Zeit wäre das große Fachwerkanwesen, welches gegenüber der heutigen Grundschule stand und anfang der 1970er Jahre abgerissen wurde, um einen Parkplatz zu schaffen. Das soll aber kein Vorwurf mit erhobenem Zeigefinger sein, sondern lediglich der Hinweis darauf, dass damals schlicht und ergreifend ein anderer Zeitgeist vorherrschte. Abreissen statt restaurieren hieß wohl die damalige Devise. Das hierbei auch finanzielle und/oder zeitliche Aspekte immer eine Rolle spielten, damals wie heute, ist teilweise sogar nach zu vollziehen. Ob die Entscheidung, das Haus abzutragen heute allerdings nochmals so leichtfertig gefällt werden würde, darf zurecht bezweifelt werden. Wäre das Gebäude doch heute, sofern restauriert, eine nicht unerhebliche Aufwertung des Ortsbildes in der Hauptstraße.

Ein ähnliches Schicksal ereilte wahrscheinlich zahlreiche Fachwerkbauten in Insheim während der Epoche der letzten 100 Jahre.

Unser Anliegen war es nun, einen kleinen Teil zum Erhalt alter Bausubstanz bei zu tragen. Innerorts, im Zentrum gelegen, nicht ausserhalb in immer neu geschaffenen Neubaugebieten, über deren bauliche Ästhetik man durchaus geteilter Meinung sein kann und die über kurz oder lang zum Aussterben der Ortskerne beitragen.

Wäre das von uns erworbene Haus nicht restauriert worden, wäre es bestimmt innerhalb der nächsten 50-70 Jahre (wenn es solange überhaupt durchgehalten hätte) abgerissen worden. Jetzt kann das Haus, vorausgesetzt, es wird auch zukünftig nach unserer Lebenszeit gehegt und gepflegt werden, den nächsten 200 Jahren entspannt entgegen sehen. Somit haben wir im Rahmen unserer Möglichkeiten einen kleinen Beitrag geleistet, Geschichte im Dorf zu bewahren und an künftige Generationen weiter zu geben.

Auch andere im Ort gingen mit gutem Beispiel voran. Hier sei das wunderbare Fachwerkanwesen der Familie Klein in der Zeppelinstrasse zu nennen. Ein wahres, äußerst detailreich und liebevoll renoviertes Kleinod aus dem Jahre 1795. Unter anderen animierte uns dieses Objekt am meisten dazu, unser eigenes Projekt anzugehen.

Aber in erster Linie freuen wir uns darauf, ein Fachwerkhaus mit typisch rustikal-romantischem, aber nicht kitschigem Flair samt einzigartigem Raumklima bewohnen zu dürfen.

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